Mercedes-Benz: Motorsport und DTM

Die Anfänge:
Der Mercedes Simplex von 1902, gebaut von der DMG, war der erste zweckmäßige Rennwagen, der deutlich niedriger gebaut war als bei Autos damals üblich. Der Belgier Camille Jenatzy, genannt der Rote Teufel, verschaffte mit seinem Sieg beim Gordon Bennet-Cup 1903 Mercedes den ersten internationalen Sieg. Dieser Sieg brachte 1904 das erste Grand-Prix-Rennen nach Deutschland. Der Mercedes Simplex dominierte für Jahre den Automobilsport. Im Jahr 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, gewann der DMG Mercedes 35 hp den Großen Preis von Frankreich. 1915 gewann der Mercedes von Ralph DePalma das Indianapolis 500.

Karl Benz’ neue Firma, Carl Benz Söhne, baute den Blitzen-Benz, der mehrere Geschwindigkeitsrekorde aufstellte; 1909 erreichte der Wagen 228,1 km/h. Durch diesen Rekord kam das Modell in den Ruf, schneller als alle anderen Autos und sogar Züge und Flugzeuge zu sein. Die Firma konstruierte viele aerodynamisch geformte Rennwagen. Der Benz-Tropfenwagen hatte die Form eines Regentropfens und wurde 1923 auf dem Autodromo Nazionale Monza im Motorsport eingeführt.

Die 1930er Jahre:
In den 1930ern dominierte die 1926 neu geschaffene Daimler-Benz AG mit ihren legendären Silberpfeilen (zusammen mit dem Konkurrenten Auto Union) den europäischen Motorsport. Dabei stellte sie Geschwindigkeitsrekorde von bis zu 435 km/h auf. Bedeutende Mercedes-Rennwagen aus den 30er Jahren waren z. B. der Mercedes-Benz W 125 und der Mercedes-Benz W 154.

Verantwortlich für die Entwicklung der Rennwagen war seit 1936 Rudolf Uhlenhaut (* 1906 in London, † 1989), der sich nicht nur als Ingenieur, sondern auch als Testfahrer auszeichnete. Die erfolgreichen W 125 und W 154 entstanden unter seiner Leitung. 1939 baute Mercedes für das Rennen in Tripolis noch den kleinen W 165, von dessen 1,5-Liter-Motor Uhlenhaut sagte, es sei wohl der beste Rennwagenmotor, der je gebaut wurde.

Die Regie bei den Rennen führte Rennleiter Alfred Neubauer. Er war der Taktiker des Teams, der die Tankstopps seiner Fahrer vorab festlegte und den Reifenverschleiß vorausberechnete, um das Tempo zu bestimmen. Er gilt als Erfinder der Zeichentafeln, die Rennfahrern von den Boxen aus entgegengehalten wurden, um ihnen ihre Position im Rennen und den Abstand zum Vorausfahrenden oder Nachfolgenden anzuzeigen, sie zu schnellerem oder verhaltenem Fahren aufzufordern usw. Umstritten waren Neubauers Stallordern, die mitunter Unverständnis unter den Fahrern auslösten und den Italiener Fagioli veranlassten, Mercedes-Benz in der Saison 1936 zu verlassen und zur Auto Union zu wechseln.

Im Jahre 1938 schließlich wurde mit dem Fahrer Rudolf Caracciola und dem Mercedes-Benz DAB V12 der noch bis heute gültige Geschwindigkeitsrekord für den Fliegenden Kilometer aufgestellt

Die aktiven Rennfahrer von 1934 bis 1939 für Mercedes waren (in alphabetischer Reihenfolge): Walter Bäumer, Manfred von Brauchitsch, Heinz Brendel, Rudolf Caracciola, Louis Chiron, Luigi Fagioli, Hanns Geier, Hans Hugo Hartmann, Ernst Jakob Henne, Christian Kautz, Hermann Lang, Richard Seaman und Geoffredo Zehender. Nicht zum Einsatz kamen Walter Gärtner, Bobby Kohlrausch und Hans Soenius.

Die 1950er Jahre:
1952 kehrte Mercedes-Benz mit dem 300 SL in den Motorsport zurück. Gleich in diesem Jahr gewann der Mercedes-Benz 300 SL mit Hermann Lang/Fritz Rieß die 24 Stunden von Le Mans (vor Helfrich/Niedermayr, ebenfalls 300 SL), den Großen Preis von Bern und die Carrera Panamericana, gefahren von Karl Kling und Hermann Lang. Die Mille Miglia beendete der Mercedes auf dem zweiten Platz.

Am 4. Juli 1954 stieg Mercedes-Benz mit dem W 196 in die Formel 1 ein und erzielte mit den Fahrern Juan Manuel Fangio und Karl Kling einen Doppelsieg beim Großen Preis von Frankreich. Fangio gewann 1954 auch die Großen Preise von Deutschland, der Schweiz und von Italien; Karl Kling siegte beim AVUS-Rennen. 1955 wurde Fangio Erster in Argentinien, Belgien, Holland und Italien; Moss gewann den GP von England.

Ähnlich erfolgreich war der vom W 196 abgeleitete Rennsportwagen Mercedes-Benz 300 SLR, der neben anderen Rennen am 1. Mai 1955 die Mille Miglia mit der bis dahin höchsten Durchschnittsgeschwindigkeit von 157 km/h gewann, gefahren von Stirling Moss mit Denis Jenkinson als Beifahrer. Zweiter wurde Juan Manuel Fangio.

Mercedes-Benz dominierte die Grand Prix- und Sportwagenrennen bis zum Ende der Saison 1955, als sich der Konzern, wie zu Beginn geplant, mit allen Teams aus dem Motorsport zurückzog. Der verheerende Unfall in Le Mans 1955, als der 300 SLR von Pierre Levegh unverschuldet mit dem Jaguar von Mike Hawthorn kollidierte und dabei über 80 Zuschauer getötet wurden – daraufhin wurden einige Rennen abgesagt –, trug mit zum Rückzug bei.

Die Stammfahrer von 1954/55 waren Juan Manuel Fangio, Hans Herrmann, Karl Kling, Hermann Lang, Stirling Moss, Piero Taruffi und André Simon als Ersatzmann. Rennleitung: Alfred Neubauer und Alexander von Korff

Die 1960er bis 1980er Jahre:
Mercedes-Benz setzte in den 1960ern und 1970ern einige große Limousinen (Mercedes-Benz W 111) im Rallyesport ein. In den frühen 80ern war geplant, mit dem damals neuen Mercedes-Benz W201 („190er“) an Rallyes teilzunehmen. Wegen der Einführung von Allradantrieb und Turbolader (Audi Quattro) im Wettbewerb wurde der Plan jedoch aufgegeben. Stattdessen startete der W 201 bzw. Mercedes 190 mit einem 16-Ventil-Motor von Cosworth auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Nardò vom 13. bis 21. August 1983 zu einem Dauerlauf. Der Wagen brach dabei drei FIA-Weltrekorde, nachdem er fast ohne Unterbrechung (bis auf einen 20-sekündigen Boxenstopp alle 2,5 Stunden) insgesamt 201 Stunden, 39 Minuten und 43 Sekunden über 50.000 km mit einer Höchstgeschwindigkeit von 247 km/h gefahren war. Dieser Erfolg gab den Ausschlag für die serienmäßige Herstellung des Modells 190E 2.3–16.

Seit Ende der 1980er Jahre:
Mercedes-Benz kehrte schließlich in den späten 80ern zu den Sportwagenrennen und in die DTM zurück; Sauber-Mercedes gewann 1989 die 24 Stunden von Le Mans. Mercedes war auch in der Gruppe C-WM erfolgreich und brachte dort durch intensive Nachwuchsförderung große Talente hervor, z. B. den späteren Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher.

Mercedes-Benz setzt auch Renntrucks in Truck-Racing-Rennen ein.

1990 wurde Norbert Haug Sportchef bei Mercedes-Benz. Insbesondere die DTM-Fahrertitel von Klaus Ludwig in den Jahren 1992 und 1994 sowie die DTM- und ITC-Fahrertitel von Bernd Schneider aus dem Jahr 1995 sind die Höhepunkte der ersten Jahre Norbert Haugs als Mercedes-Sportchef.

Mercedes-Benz fährt seit Gründung der Deutschen Tourenwagen Masters im Jahre 2000 in dieser Serie mit und wurde in den Jahren 2000, 2001, 2003, 2005 und 2006 Meister.

Wiedereinstieg in die Formel 1 mit Sauber:
Unter der Leitung von Norbert Haug stieg Mercedes-Benz nach fast 40 Jahren wieder in die Formel 1 ein. Zunächst startete der damalige Mercedes-Partner Peter Sauber den Schritt alleine; auf den Autos der Saison 1993 stand lediglich Concepted by Mercedes-Benz. Ein Jahr später, 1994, hieß das Team offiziell Sauber-Mercedes. Ein schwerer Unfall von Karl Wendlinger im Training zum Großen Preis von Monaco war der Tiefpunkt der Saison. Ende des Jahres trennten sich Sauber und Mercedes-Benz. Der deutsche Autohersteller unterstützte fortan das britische McLaren-Team. Die Daimler AG hält heute 40 % der Anteile an McLaren und betreibt die Formel-1-Motorenproduktion seit 2005 als eigenständiges Subunternehmen Mercedes-Benz HighPerformanceEngines (entstanden aus der Formel-1-Abteilung von Ilmor). Außerdem fahren Force India und BrawnGP seit der Formel-1-Saison 2009 mit Mercedes-Motoren. Für die Formel-1-Saison 2010 rechnet Norbert Haug mit einem zusätzlichen Kundenteam.[1]

Erfolge in Amerika:
Aber auch in der amerikanischen Champ-Car-Serie ist Mercedes erfolgreich. 1994 gelingt es Al Unser jr. für Penske-Mercedes die 500 Meilen von Indianapolis zu gewinnen. Im gleichen Jahr wird Unser jr. IndyCar-Meister.

Weltmeistertitel in den späten 90er Jahren:
Nach zwei sieglosen Jahren der McLaren-Mercedes-Allianz gelang es 1997, mehrere Siege einzufahren. In diesem Jahr fuhren die McLaren-Mercedes erstmals im Silberpfeil-Design. Gleich beim Saisonauftakt gewann David Coulthard in Melbourne das erste Rennen eines modernen Silberpfeiles. 1998 und 1999 wurde Mika Häkkinen für das Team Formel-1-Weltmeister, 1998 konnte McLaren-Mercedes zusätzlich die Konstrukteursweltmeisterschaft gewinnen.

Ausstieg aus Amerika:
Während es in Europa bergauf ging, ging es in Amerika bergab. Nach dem IndyCar-Titel 1994 von Al Unser jr wurde man sukzessive schlechter. 1999 gelang nur noch ein Sieg, dazu kamen die tödlichen Unfälle der Mercedes-Fahrer Greg Moore und Gonzalo Rodriguez. Ende 2000 beendete man das Amerika-Engagement.

Wiederbelebung der alten DTM:
1999 hat Mercedes-Benz gemeinsam mit der Adam Opel AG und Audi die DTM für das Jahr 2000 neu ausgeschrieben. In den Jahren 2000, 2001, 2003 und 2006 gelang es Bernd Schneider erneut, DTM-Meister zu werden, 2005 gewann Mercedes-Werksfahrer Gary Paffet den Titel.

Talsohle in der Formel 1:
Nachdem McLaren-Mercedes 1998 und 1999 Formel-1-Weltmeister wurde, bestanden auch 2000 Chancen den Titel zu gewinnen, der jedoch an das zum Saisonende immer stärker werdende Ferrari-Team mit Michael Schumacher ging. Mit Ablauf der Formel-1-Saison 2001 beendete Mika Häkkinen seine Karriere. In dieser Saison starb der langjährige Motoreningenieur Paul Morgan und das Team zog in eine neue Fabrik. In den Jahren 2002 bis 2004 konnten die Silberpfeile insgesamt nur vier Rennen gewinnen. Trotzdem hatte Kimi Räikkönen 2003 bis zum letzten Rennen Chancen auf die Fahrerweltmeisterschaft und beendete die Saison schließlich als Vizeweltmeister.

Licht und Schatten 2005 und 2006:
In der Saison 2005 konnte McLaren-Mercedes wieder regelmäßig gewinnen. Das Auto war zwar das schnellste im Feld, aber auch sehr unzuverlässig. In Brasilien ging die Fahrerweltmeisterschaft an Fernando Alonso, beim Saisonfinale in China ging auch die Konstrukteursweltmeisterschaft an Renault. Kimi Räikkönen konnte insgesamt sieben Saisonsiege erzielen. Nach Alain Prost, der 1984 und 1988 ebenfalls jeweils sieben Saisonsiege erzielte (bei jeweils nur 16 Rennen), ist Kimi Räikkönen erst der zweite Pilot in der Geschichte der Formel 1, der mit sieben Saisonsiegen nicht Weltmeister werden konnte. Nach Saisonende wurde bekanntgegeben, dass Weltmeister Fernando Alonso ab 2007 bei McLaren-Mercedes fahren würde. 2006 jedoch konnte das Team kein einziges Rennen gewinnen, einige zweite Plätze waren alles. Mitten in der Saison trennte man sich von Juan-Pablo Montoya und ersetzte ihn durch Pedro de la Rosa. Kimi Räikkönen ging nach Michael Schumachers Karriereende zu Ferrari, 2007 fuhren der zweifache Weltmeister Alonso und der Rookie Lewis Hamilton für McLaren-Mercedes.

Der Gewinn der Weltmeisterschaft 2008:
Erstmals seit neun Jahren konnte mit Lewis Hamilton 2008 nach einem Herzschlagfinale in Interlagos ein McLaren-Mercedes-Pilot die Formel-1-Weltmeisterschaft gewinnen. Die Konstrukteursweltmeisterschaft ging jedoch an Ferrari. Fernando Alonso verließ das Team im Vorfeld der Saison und wurde durch Heikki Kovalainen ersetzt.

2009: Neues Reglement und erstmals weitere Teams:
Seit der Formel-1-Saison 2009 beliefert Mercedes-Benz auch weitere Teams mit Motoren: Force India und Brawn GP fahren mit Mercedes-Motoren. Jenson Button gewann in dieser Saison drei Rennen mit ein- und demselben Motor, was ein neuer Rekord für die Formel 1 ist. Während McLaren-Mercedes zunächst im Mittelfeld fuhr, startete Brawn-Mercedes mit sechs Siegen aus sieben Rennen sehr gut in die Saison, hatte aber seit dem Silverstone-Rennen Schwierigkeiten mit der Performance. Beim Großen Preis von Ungarn in Budapest gewann Lewis Hamilton erstmals in der Geschichte der Formel 1 auf einem Auto mit KERS.

Das Safety Car und das Medical Car der Formel 1 werden von Mercedes gestellt. Das aktuelle Safety Car ist ein Mercedes SL 63 AMG. Das Medical Car ist ein C 63 AMG.

Quelle: Wikipedia
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